(Wien / Österreich) – Der grenzüberschreitende Transport von grünem Wasserstoff von Österreich nach Deutschland per Pipeline sei unter den bestehenden Rahmenbedingungen zwar möglich. Allerdings werde deutlich, „dass der Markthochlauf weiterhin durch fehlende regulatorische Voraussetzungen gebremst wird, insbesondere durch das bislang nicht verfügbare Herkunftsnachweisregister in Deutschland“. Dies stellen RAG Austria AG, Österreichs größtes Gasspeicherunternehmen, und der Energieversorger Bayernets GmbH unisono fest. „Wir haben gezeigt, dass grenzüberschreitende Wasserstofflieferungen technisch und operativ funktionieren“, sagt Bayernets-Geschäftsführer Matthias Jenn. Doch stünden die Projektpartner „vor einer wesentlichen regulatorischen Hürde“: Die in Österreich ausgestellten Herkunftsnachweise könnten nicht nach Deutschland übertragen werden.

Der Wasserstoff von RAG Austria aus Österreich wird bei Burghausen an Bayernets nach Deutschland übergeben. © RAG Austria AG

Die Initiatoren des Projekts „H2 cross border“ bauen seit 2021 eine länderübergreifende Wertschöpfungskette für Wasserstoff von der Produktion über die Speicherung und den Transport bis zum Endverbraucher auf. Beteiligt sind neben RAG und Bayernets auch die Bayerngas GmbH und Shell Energy Deutschland GmbH. Die Meggle Group, Hersteller von Milcherzeugnissen aus Wasserburg am Inn, wurde als Abnehmer gewonnen.

Bereits seit September 2024 werde von RAG mittels Elektrolyse erzeugter und durch TÜV Süd zertifizierter grüner Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz in Österreich beigemischt und in Burghausen an Bayernets übergeben. Im Januar waren es rund 630 Megawattstunden, so die Unternehmen. Die Menge habe seit der ersten Lieferung nahezu versechsfacht werden können. Der Transport per Pipeline von Österreich nach Deutschland erfolge mithilfe von Shell Energy und das Gas werde anschließend an Meggle weitergeleitet.

Deutschland bremst Markthochlauf

Dass es in Deutschland weiterhin kein funktionsfähiges Register gebe und das Umweltbundesamt keine klare Zeitschiene kommuniziere, „bremst den Markthochlauf erheblich und sendet ein problematisches Signal an Investoren und Projektentwickler“, sagt Jenn. Ohne ein „handelbares und interoperables Register“ bleibe grüner Wasserstoff „im grenzüberschreitenden Kontext ein regulatorisches Provisorium“.

Während RAG und Meggle in der durch die Regulierungsbehörde Energie-Control Austria betriebenen österreichischen Datenbank registriert seien, können die ausgestellten Zertifikate nicht über Staatsgrenzen hinweg übertragen werden. „Infolgedessen verbleiben die Herkunftsnachweise auf dem österreichischen Konto und können vom Abnehmer in Deutschland weder genutzt noch angerechnet werden.“

Bei der zuständigen Behörde habe man auch für 2026 keine verbindliche Bestätigung für eine Inbetriebnahme erhalten. „Das deutsche Umweltbundesamt verlangsamt den Wasserstoffhochlauf durch übermäßige Bürokratie“, kritisiert RAG-Geschäftsführer Markus Mitteregger. „Dabei brauchen wir die grenzüberschreitende Anerkennung des grünen Wasserstoffs jetzt, um Projekte weiterhin realisieren zu können.“ Ohne sofortiges Umdenken „bleiben notwendige Investitionen und Skalierungsprojekte blockiert“.

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Die grenzüberschreitende Lieferung von grünem Wasserstoff ist technisch machbar und wird praktiziert – der Export des Herkunftsnachweises aus erneuerbaren Quellen scheitert aber an deutscher Bürokratie, bemängeln die am Transfer beteiligten Firmen. © Bayernets GmbH