Niederlande: Plug Power liefert 32 Tonnen Wasserstoff für Hynetworks in Rotterdam +++ Chile: Acciona nimmt Brennstoffzellengenerator in Betrieb +++ Deutschland: Neue Wasserstofftankstelle in Lübeck +++ USA: Air Products bekommt von der NASA140-Millionen-Dollar-Auftrag für Wasserstofflieferung +++ Deutschland: 350 Millionen Euro Förderung für e-SAF-Anlage von Concrete Chemicals +++ Deutschland: NOW streicht Wasserstoff aus dem Namen +++ Deutschland: 1,6 Millionen Euro für Hydrogen Innovation Center in Chemnitz +++ Deutschland: Forscher entwickeln Edelstahl mit niedriger Wasserstoffdiffusion

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Plug Power hat in Rotterdam den ersten Bauabschnitt des künftigen europäischen Wasserstoffnetzes gefüllt. Die letzten Rohre der Pipeline wurden im September 2025 verlegt. © Hynetwork

(Niederlande) Die Plug Power Inc. hat die erste Wasserstoffbefüllung der 32 Kilometer langen Pipeline von Hynetwork Services B.V. in Rotterdam abgeschlossen. Der gemäß den EU-Vorgaben als RFNBO zertifizierte Energieträger – kumuliert 32 Tonnen – wurde per Trailer angeliefert, von denen jeder jeweils mehr als 1.000 Kilogramm transportieren konnte. Hynetwort, Tochter des niederländischen staatlichen Gasnetzbetreibers Nederlandse Gasunie NV implementiert das Wasserstoffnetzwerk in den Niederlanden. Das Segment Rotterdam ist der erste Abschnitt des künftigen European Hydrogen Backbone und verbindet das Hafengebiet mit industriellen Nachfragezentren. Die Ferngasleitung wurde im September 2025 verlegt, im Januar erfolgten die letzten Anschlussarbeiten (wir berichteten).

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Acciona nimmt in Chile einen mit Brennstoffzellen betriebenen Stromgenerator für eine Kupfermine des Staatskonzerns Codelco in Betrieb. © Acciona S.A.

(Chile) Der spanische Mischkonzern Acciona S.A. hat in der weltweit größten unterirdischen Kupfermine „El Teniente“ des Staatskonzerns Codelco in den Anden einen Dieselgenerator durch einen Brennstoffzellengenerator ersetzt und in Betrieb genommen. Das von der französischen Firma Energy Observer Developments SAS (EODev) hergestellte und in Chile von KH2 vertriebene Gerät ist den Angaben zufolge das erste dieser Art im Land, das Wasserstoff zur netzunabhängigen Stromversorgung nutzt. Damit werde der Verbrauch fossiler Brennstoffe um 5.067 Liter pro Quartal sinken. Bei dem Pilotprojekt wird der Strom bei Erweiterungsarbeiten am Carén-Stausee, etwa 80 Kilometer südlich von Santiago genutzt. Acciona hat bereits mehrere Projekte zur Emissionsreduzierung bei der Nutzung von Baustrom erledigt, etwa während des Baus eines Gefängniskomplexes im nordspanischen San Sebastián, wo mit einem mobilen Brennstoffzellengenerator Baumaschinen angetrieben wurden, außerdem beim Straßenbau in Cádiz sowie beim Brückenbau in Sevilla.

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In Lübeck hat MB Energy im Beisein von Bürgermeister Jan Lindenau eine Wasserstofftankstelle eröffnet. © MB Energy

(Deutschland) Der Energieversorger MB Energy GmbH hat in Lübeck eine Wasserstofftankstelle für Schwerlastfahrzeuge eröffnet. Die von der Hypion GmbH entwickelte Anlage verfügt über eine Tageskapazität von 2.000 Kilogramm und könnte damit rund 50 Lkw betanken. Der Bau begann im Juli 2025. Der Standort liegt nahe dem Autobahnkreuz A1/A20. Damit verfügt die MB Energy Gruppe jetzt über drei Wasserstofftankstellen. Die Station wird Bundesministerium für Verkehr mit 5,1 Millionen Euro gefördert. Sie wird als Teil des Tankpool24-Netzwerks betrieben, zu dem über 2.000 Tankstellen in Europa und mehr als 750 in Deutschland gehören.

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Flüssigwasserstofftank auf dem NASA-Gelände in Alabama. © CB&I

(USA) Der Industriegashersteller Air Products hat eigenen Angaben zufolge mit der NASA Verträge zur Lieferung von flüssigem Wasserstoff in Höhe von 140 Millionen Dollar (118 Millionen Euro) geschlossen. Lieferorte sind das Kennedy Space Center und die Cape Canaveral Space Force Station in Florida, das Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, sowie das NASA-Raumfahrtzentrum Stennis in Bay St. Louis, Mississippi. Wie berichtet, hatte Air Products im vergangenen Jahr 50 Trailer mit kumuliert über 730.000 Gallonen flüssigen Wasserstoffs an das Kennedy Space Center zur Befüllung des mit 27 Metern Höhe und 24 Meter Durchmesser weltweit größten kugelförmigen Wasserstofftanks geliefert.

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Zentrale des Concrete-Miteigentümers Enertrag in Dauerthal, Brandenburg. © Enertrag SE

(Deutschland) Die Concrete Chemicals GmbH hat eine Förderung von 350 Millionen Euro für den Bau von den Angaben zufolge „Deutschlands größter Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe“ (Elektro-Sustainable Aviation Fuels, e-SAF) im industriellen Maßstab erhalten. Standort ist Schwedt (Brandenburg). Die Fördermittel seien auf Landesebene bereits genehmigt, die Prüfung durch die Europäische Kommission befinde sich in der finalen Phase. Concrete Chemicals stellt synthetisches Kerosin im Power-to-Liquid-Verfahren (PtL) her. Der Prozess nutze biogenes CO2 und erneuerbaren Wasserstoff. Für den Bezug von lokalem CO2 plane das Konsortium eine Kooperation mit der Leipa Georg Leinfelder GmbH, Hersteller von Papier- und Kartonprodukten auf Basis von Altpapier in Schwedt. Die PtL-Anlage habe eine Kapazität von jährlich 37.000 Tonnen (30.000 Tonnen e-SAF und 7.000 Tonnen e-Naphtha). Die Investitionsentscheidung ist für 2027 geplant, die Inbetriebnahme für 2030 vorgesehen. Standort und Design erlaubten später den Anschluss an das nationale Wasserstoffkernnetz. Concrete Chemicals ist ein Joint Venture des Projektentwicklers Enertrag SE und der Mineralölfirma Zaffra,

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Neuer Name, neues Logo: NOW koordiniert Förderprogramme für Antriebstechnologien der Bundesregierung. © NOW GmbH

(Deutschland) Die bundeseigene „Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NOW) ändert ihren Namen in „Nationale Organisation für den Wandel in der Mobilität“. Damit passe man den Namen nebst Logo an das „öffentliches Erscheinungsbild“ ihres „seit Jahren gewachsenen Produktportfolio“ an. NOW wurde 2008 ursprünglich gegründet, um das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) im Auftrag der Bundesregierung zu koordinieren. Technologisch umfassen ihre Aufgaben heute die Bereiche Wasserstoff, Batterie sowie regenerative Kraftstoffe und Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland.

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(Deutschland) Die EU fördert den Bau eines Elektrolyseurs am Wasserstoffcampus in Chemnitz mit 1,2 Millionen Euro. Weitere 420.000 Euro gibt es für die Umrüstung der Leitungsinfrastruktur von Erdgas auf Wasserstoff. Das Wasserstoffzentrum soll industrielle Transformationsprozesse hin zu klimaneutralen Technologien begleiten. Mit Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups sollen neue Geschäftsfelder im Bereich der Wasserstofftechnologien erschlossen und zur Marktreife geführt werden. Der Elektrolyseur mit einer Leistung von 240 Kilowatt wird vom Energieversorger Eins Energie in Sachsen GmbH & Co. KG errichtet und könne „perspektivisch“ auf zwei Megawatt erweitert werden. Überdies gibt es einen Wasserstoffspeicher mit einer Kapazität von rund 115 Kubikmetern (etwa 330 Kilogramm Wasserstoff). Der Wasserstoff soll zur Versorgung des Baugebietes „Wasserstoffcampus Chemnitz“ eingesetzt werden. Erster Kunde sei das Hydrogen Innovation Center (HIC). Dafür ist vorgesehen, eine bestehende Erdgasleitung auf einer Länge von 550 Metern auf Wasserstoff umzurüsten.

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(Deutschland) Ein Forscherteam am Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien GmbH hat eigenen Angaben zufolge einen „kostengünstigen und leistungsstarken“ rostfreien Stahl für die Wasserstoffwirtschaft entwickelt (4,15 Dollar pro Kilogramm). Die Implementierung kleiner Mengen von Nickel, Mangan und Kupfer führe zu „extrem niedrigen Wasserstoffdiffusionskoeffizienten“. Dies verhindere „effektiv die Wasserstoffdiffusion“ und vermeide wasserstoffinduzierte Schäden. Experimentelle und simulative Ergebnisse zeigten unter anderem, dass Stickstoffsegregation „die Tendenz zur Wasserstoffsegregation und der damit verbundenen Sprödigkeit“ verringere. „Die Herausforderung bestand darin, einen Edelstahl zu entwickeln, der auch in Gegenwart von Wasserstoff mechanisch zuverlässig bleibt und gleichzeitig eine hohe Korrosionsbeständigkeit bietet“, sagt Dierk Raabe, Mit-Autor der Studie. „Gleichzeitig musste das Material kosteneffizient und mit etablierten Fertigungswegen kompatibel sein. Da Korngrenzen die verwundbarsten Defekte sind, konzentrierten wir uns darauf, das Eindringen von Wasserstoff genau an diesen Stellen zu verhindern.“ Das Design könne auf andere Legierungen und Materialien ausgeweitet werden. Die Ergebnisse wurden jetzt unter dem Titel „Segregation passivation makes cost-effective stainless less resistant to corrosion and hydrogen embrittlement“ in Science Advances 12 (2026) publiziert.

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iStock / © Danil Melekhin