Deutschland: Konsortium des Nordic Baltic-Korridors fragt Industrie nach Wasserstoffbedarf +++ Nordirland: Powerhouse reicht Bauantrag für Anlage zur Wasserstoffproduktion in Ballymena ein +++ Finnland: Umweltgenehmigung für Methanolanlage von P2X in Joensuu ist nun rechtskräftig +++ Australien: Hydrexia soll Toyota mobile Wasserstofftankstellen liefern +++ Deutschland: Keine Planwirtschaft beim Wasserstoffhochlauf +++ Südkorea: Investition in wasserstoffbetriebene Lkw mit Infrastruktur sind profitabel +++ Deutschland: Brusa entwickelt FCI-Komponente für Cellcentric-Brennstoffzellensystem +++ Frankreich: Lhyfe liefert Wasserstoff für Teal-Autobahntankstelle +++ Deutschland: Regierung will keine Quote für grünen Stahl und Zement in der öffentlichen Beschaffung +++ England: Hygen Energy kauft Wasserstoffprojekt von Marubeni +++ USA: Ammobia sammelt 7,5 Millionen Dollar zur Skalierung der Ammoniaktechnologie +++ Kanada: Global Power übernimmt Lizenzen von Northern Hydrogen für neue Technologieplattform
Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst
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Sechs Fernleitungsnetzbetreiber planen den Bau einer 2.500 Kilometer langen Ostsee-Pipeline für Wasserstoff. © Ontras GmbH
(Deutschland) Die Projektträger des grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekts Nordic-Baltic Hydrogen Corridor (NBHC) haben eine Umfrage gestartet, um Grundlagen für die Routen- und Korridorgestaltung der künftigen 2.500 Kilometer langen Wasserstoffpipeline zu ermitteln. Vorgesehen ist deren Bau im Ostseeraum von Finnland über Estland, Lettland, Litauen und Polen bis nach Deutschland durch die Fernleitungsnetzbetreiber Gasgrid Vetyverkot Oy (Finnland), Elering AS (Estland), Conexus Baltic Grid AS (Lettland), Amber Grid AB (Litauen), Gaz-System S.A. (Polen) und Ontras Gastransport GmbH (Deutschland). Das Projekt hat den Status eines europäischen Project of Common Interest (PCI) und wird mit 6,8 Millionen Euro aus dem europäischen CEF-Investitionsprogramm für die Durchführung einer Machbarkeitsstudie gefördert, welche 2025 begonnen wurde und voraussichtlich Anfang 2027 abgeschlossen werde. Die Marktabfrage richtet sich an Produzenten, Verbraucher, Betreiber von Speichern und Verteilnetzen von Wasserstoff sowie an Transportkunden. Die Umfrage besteht je nach der Rolle des Unternehmens auf den Wasserstoffmärkten aus maximal sechs Abschnitten. Die Online-Befragung ist in sieben Sprachen der Teilnehmerländer bis zum 31. März 2026 erreichbar.
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Entwurf der geplanten Fabrik zur Herstellung von Wasserstoff aus nicht recycelbaren Abfällen in Ballymena, Nordirland. © Powerhouse Energy Group plc
(Nordirland) Das Ingenieurunternehmen Powerhouse Energy Group plc hat den Bauantrag für die geplante Anlage in Ballymena zur Produktion von Wasserstoff aus nicht recycelbaren Abfällen im Silverwood Business Park beim Mid and East Antrim Borough Council eingereicht. Die Fabrik für 99,999 Prozent reinen Wasserstoff habe einen Ertrag von 40 Tonnen pro Tag. Zwei Tage zuvor hatte das Unternehmen die Unterzeichnung eines Pachtvertrages für ein 1,98 Hektar großes Gelände mit dem Grundstückseigentümer Silverwood Business Park Ltd. unterzeichnet. Die Laufzeit betrage 25 Jahre, die ersten zwölf Monate seien mietfrei. Voraussetzung für dessen Inkrafttreten sei die Genehmigung des Bauantrags. „Ballymena steht kurz davor, zum Wasserstoff-Hub Nordirlands zu werden“, sagt Powerhouse-CEO Paul Emmitt. Dort sind unter anderem der Busbauer Wrightbus angesiedelt sowie „Translink“, Teil der staatlichen Northern Ireland Transport Holding Company als Betreiber von Bussen und Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs. Im Juli 2025 hatte Powerhouse eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach das Unternehmen Wasserstoff an die B.S. Holdings Ltd. liefert. BSH habe unter anderem ein Patent für eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage angemeldet, die mit Brennstoffzellen betrieben wird. Das Projekt werde vom britische Department for Energy Security and Net Zero (DESNZ) gefördert, daher sei der Wasserstoff subventioniert und liege unter den marktüblichen Preisen.
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Illustration der künftigen Anlage zur Produktion von Wasserstoff und Methanol in Joensuu. © P2X Solutions Oy
(Finnland) Die Umweltgenehmigung für die geplante Anlage für synthetisches Methanol der P2X Solutions Oy in Joensuu hat nun Rechtskraft. Die Verwaltungsbehörde Ostfinnlands hatte die Genehmigung Mitte Dezember erteilt. Nach Unternehmensangaben wurde bis Ablauf einer Frist kein Widerspruch beim Verwaltungsgericht Vaasa eingereicht. Dies sei nun „eine solide Grundlage für die Vorbereitung der Investitionsentscheidung“, sagt CEO Herkko Plit. Die Anlage in Joensuu soll grünen Wasserstoff produzieren und ihn zu Methanol mit einer jährlichen Kapazität von 33.000 Tonnen verarbeiten. Das Werk liege neben dem Kraftwerk von Savon Voima im Industriegebiet Kontiosuo in Joensuu. Die Prozesswärme werde im Fernwärmenetz von Joensuu genutzt. Für die Methanolproduktion verwende man CO2 aus lokalen Produktionsanlagen, auch etwa des Kraftwerks Savon Voima. Man erwarte die Nachfrage nach dem Joensuu-Methanol insbesondere aus dem maritimen Sektor sowie aus der Luftfahrtindustrie.
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(Australien) Die Toyota Motor Corporation Australia Ltd. (TMCA) hat die chinesische Hydrexia Pty Ltd. mit Lieferung, Betrieb und Wartung von mobilen Wasserstofftankstationen beauftragt. Das Abkommen folgt der Bereitstellung von Tanklösungen bei UMW Toyota in Malaysia und Toyota Philippines. Hydrexia baut seit geraumer Zeit seine internationale Geschäftstätigkeit in Südostasien, Europa, den USA und Australien aus.
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Keine Planwirtschaft beim Wasserstoffhochlauf: „Die Bundesregierung ist den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft in vollem Umfang verpflichtet.“ © Deutscher Bundestag
(Deutschland) Die Bundesregierung weist Vorwürfe der AfD-Fraktion zurück, wonach sie einen „planwirtschaftlichen Ansatz“ beim Hochlauf des Wasserstoffmarktes verfolge. In der Antwort (21/3710) auf eine Kleine Anfrage heißt es, man verfolge „ausgehend vom Koalitionsvertrag“ einen substanziellen Wasserstoffhochlauf und setze „explizit auf marktliche und kosteneffiziente Maßnahmen“. Um dies wissenschaftlich zu untersuchen, habe das Bundeswirtschaftsministerium im Juli 2025 bei externen Experten ein Monitoring der Energiewende einschließlich des Wasserstoffhochlaufs beauftragt und durchführen lassen. Die Bundesregierung betrachte bei ihrer Förderpolitik grundsätzlich „alle Aspekte des betreffenden Marktes, das heißt Angebot, Nachfrage und Infrastruktur, um die Förderung zielgerichtet, haushaltsschonend und lösungsorientiert zu gestalten“. Eine solche „gesamtheitliche Betrachtung“ könne nicht als „planwirtschaftlicher Ansatz bezeichnet werden“.
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Forscher der Seoul National University of Science and Technology machen Vorschläge, wie Südkorea den Markthochlauf für Wasserstoff-Lkw ankurbeln kann. © Seoultech
(Südkorea) Trotz hoher Anfangskosten für Fahrzeuge und Betankungsinfrastruktur sei die Investition in wasserstoffbetriebene Lkw mit entsprechendem Ausbau profitabel. Dies geht aus einer Studie der Seoul National University of Science and Technology (Seoultech) hervor. Demnach seien die koreanischen Haushalte bereit, bis 2033 im Durchschnitt jährlich 3.121 Won (1,81 Euro) einzusetzen. Dies summiere sich der Analyse zufolge mit Verzinsung auf durchschnittlich 572,4 Milliarden Won (332 Millionen Euro) pro Jahr. Die Studie bewertet auch praktische Hürden bei der Infrastruktur. Großflächige Wasserstofftankstationen befänden sich häufig an Busdepots, was den Zugang für Lkw einschränke. Die Forscher empfehlen, Stationen entlang wichtiger Logistikrouten zu erweitern oder zu verlegen und Steuerermäßigungen für Lkw an die für Wasserstoffbusse vorgesehenen Angebote anzupassen, um Logistiker zur Einführung der Technologie zu ermutigen. Die Regierung Südkoreas will bis 2040 rund 30.000 Brennstoffzellen-Lkw als Ersatz für Dieselfahrzeuge auf die Straßen bringen, was die CO2-Emissionen im Mobilitätssektor um etwa 8,74 Millionen Tonnen senke. Die Umfragen wurden Ende 2024 durchgeführt und die Studie „Public acceptance towards expanding hydrogen fuel cell heavy-duty trucks in South Korea: A monetary assessment based on willingness to pay“ im Dezember 2025 in der Zeitschrift „Transport Policy“ veröffentlicht.
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Cellcentric beauftragt Brusa mit der Entwicklung eines DC/DC-Wandlers für Brennstoffzellensysteme (v.l.): Adin Tuhcic (Director Sales & Marketing, Brusa), Holger Fink (CEO Brusa), Markus Siegel (Global Head of Procurement & Aftersales, Cellcentric), Jochen Sang (Head of R&D Components- & Software-Development, Cellcentric), Mario Heß (Head of Product Procurement, Cellcentric). © Cellcentric GmbH & Co. KG
(Deutschland) Die Cellcentric GmbH & Co. KG beauftragt die Brusa HyPower AG mit der Entwicklung eines DC/DC-Wandlers (Fuel Cell Interface, FCI) für ihr Brennstoffzellensystem NextGen, das zum Ende des Jahrzehnts in verschiedenen Anwendungen in Serien gehen soll. Die Leistungselektronik wandle die Brennstoffzellenspannung auf das Hochspannungsnetz, übernehme das Monitoring der Brennstoffzelle, trenne bei Bedarf sicher vom Hochspannungsnetz und versorge Hochvolt-Komponenten innerhalb des Brennstoffzellensystems mit elektrischer Energie. Brusa HyPower ist mit Standorten in Europa, USA und Asien Teil der Brusa-Gruppe, zu der auch die Brusa Elektronik AG und Brusa Technology AG gehören. Cellcentric wurde als Joint Venture von der Daimler Truck AG und der Volvo Group gegründet.
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Lhyfe liefert grünen Wasserstoff an eine Autobahntankstelle von Teal Mobility. © Lhyfe
(Frankreich) Der Wasserstoffhersteller Lhyfe hat eine Vereinbarung mit Teal Mobility zur Lieferung grünen Wasserstoffs an Frankreichs erste Wasserstoffstation an der Autobahn A4 in der Region Grand Est (Nordostfrankreich) vereinbart. Die Tankstelle für schwere Nutzfahrzeuge liege strategisch günstig an Ost-West- und Nord-Süd-Routen Richtung Deutschland und zu den Benelux-Ländern. Lhyfe verfügt derzeit eigenen Angaben zufolge über vier Wasserstoffproduktionsanlagen in Frankreich und Deutschland mit einer Leistung von 21 Megawatt. Für 2026 ist eine Steigerung um 70 Prozent geplant.
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Die Bundesregierung plant keine Beschaffungsquote für grünen Schienenstahl der Deutschen Bahn. © Deutsche Bahn AG / Georg Wagner
(Deutschland) Die Bundesregierung lehnt Quotenvorgaben für grünen Stahl und Zement bei der Beschaffung für öffentliche Projekte ab. Die Vergabe von Aufträgen erfolge durch ein wettbewerbliches Verfahren und beinhalte keine Vorgaben für eine produktbezogene Beschaffung. Der Jahresbedarf der DB liege im langjährigen Durchschnitt für Schienenstahl und Weichen bei etwa 300.000 Tonnen, der langjährige Durchschnitt für Stahlprofile und Brückenbleche bei 4.200 Tonnen. Die Deutsche Bahn AG habe in den letzten fünf Jahren einmalig rund 1.000 Tonnen „grüne“ Schienen aus Frankreich bezogen. Nach den Erkenntnissen der DB AG müsse derzeit je nach Produktionsroute, Standort, Stahlqualität und -produkt pro Tonne grünem Stahl gegenüber konventionellem Stahl mit Mehrkosten von etwa 10 bis 15 Prozent gerechnet werden. Ein Förderprogramm für grünen Stahl sei nicht geplant. Für die Beschaffung von CO2-reduziertem Schienenstahl habe die DB AG im Zuge der Bedarfsmeldung im Juli 2025 eine mögliche Menge an CO2-reduziertem Schienenstahl von rund 5.800 Tonnen (ausreichend für etwa 50 Kilometer Gleis) im Jahr 2026 bis jeweils 58.000 Tonnen (500 Kilometer) in den Jahren 2028, 2029 und 2030 angemeldet. Auch bei der Deutschen Bahn AG gebe es derzeit keine konkreten Beschaffungsszenarien mit einem Fokus auf „grünen Stahl“, heißt es in der Antwort (21/3563) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.
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Hygen hat das von der britischen Regierung geförderte Wasserstoffprojekt von Marubeni in Wales übernommen. © Hygen Energy Ltd.
(England) Die Hygen Energy Ltd. hat das HyBont-Low-CO2-Wasserstoffprojekts von der Marubeni Corporation übernommen. Angaben zu den Konditionen machten die Unternehmen nicht. Das seitens der britischen Regierung im Rahmen der ersten Wasserstoffallokationsrunde (HAR1) geförderte Vorhaben soll Wasserstoff für Tankstellen produzieren. Die erste Phase umfasse eine Machbarkeitsstudie. Im Zentrum des HyBont-Projekts steht die Produktion kohlenstoffarmen Wasserstoffs für Busse und Lkw im Brynmenyn Industrial Estate in Bridgend, Wales. Denkbar sei auch die Ergänzung mit einem PV-System für die direkte Nutzung des Solarstroms zur Wasserstoffherstellung.
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Ammobia will mittels Haber-Bosch-Verfahren aus Erdgas Ammoniak herstellen. © Ammobia Inc.
(USA) Die Ammobia Inc. hat bei einer Finanzierungsrunde 7,5 Millionen Dollar zur Skalierung kostengünstiger Ammoniakproduktionstechnologie eingesammelt. Zu den Investoren gehören unter anderem Shell Ventures, Air Liquide, MOL Switch (Mitsui OSK Lines) und Chevron Technology Ventures. Ammobia verspricht mit einem „modularen Haber-Bosch 2.0-Anlagendesign“ die Investitionsausgaben für die Ammoniakproduktion „erheblich zu senken“. Das 2022 gegründete Unternehmen will nun eine Pilotanlage bauen. „Als zweitmeistproduzierte Chemikalie weltweit versorgt Ammoniak die Hälfte der Weltbevölkerung durch Düngemittel und dient als Rohstoff für Chemikalien und Kunststoffe.“ Mit aufkommenden Anwendungen in der maritimen Schifffahrt, Stromerzeugung sowie Energiespeicherung und -transport erwarte man, dass die Nachfrage bis 2050 deutlich steige.
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(Kanada) Die Global Power Solutions Corp. hat mit Northern Hydrogen and Energy Ltd. eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung einer modularen Energieplattform auf Wasserstoffbasis unterzeichnet. Global Power wolle vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen die Lizenzrechte von Northern Hydrogen übernehmen. Lizenzgeber seien ModeOne Manpower Systems Corp. und MVP Systems. Die Technologie solle von 80 Kilowatt bis auf über 1.000 Megawatt skalierbar sein. Die modularen Systeme seien so konzipiert, dass sie die Wasserstofferzeugung vor Ort mit einer kontinuierlichen Stromerzeugung verbinden, und böten sich an etwa für Rechenzentren, mobile und strategische militärische Einsätze, Industrie- und Fertigungsanlagen sowie abgelegene und netzunabhängige Kommunen. Global Power wolle innerhalb von zwölf Monaten eine 80-Kilowatt-Demonstrationsanlage bauen. Bis Ende 2028 solle eine Kapazität von 100 Megawatt aufgebaut werden, bis Ende 2030 rund 1.000 Megawatt.
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