Schweden: Metacon steigert Anteil an Botnia Hydrogen auf 60 Prozent +++ Deutschland: Konsortium um Rheinmetall entwickelt neuartige Elektrodentechnologie für Wasserstofferzeugung +++ Norwegen: Samskip ordert flüssigen grünen Wasserstoff für Containerschiffe bei Norwegian Hydrogen +++ China: 30-MW-Wasserstoffturbine in Betrieb +++ Deutschland: SWU bekommt 10 Millionen Euro für Elektrolyseur +++ Chile: Chile und die Niederlande beschleunigen Wasserstoffwirtschaft +++ Deutschland: Bayerns SPD nennt Förderung von Wasserstoff-Lkw „Geldverschwendung“ +++ Luxemburg: Wasserstoffkorridor „HY4Link“ bekommt PCI-Status
Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst
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Metacon erhöht Anteil an Botnia Hydrogen: Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte Metacon Tankstellenkomponenten aus der Insolvenzmasse von Hynion Sverge AB zur Ergänzung der eigenen Stationen erworben. © Metacon AB
(Schweden) Metacon AB, Entwickler von Energiesystemen zur Erzeugung grünen Wasserstoffs, erhöht seinen Anteil an Botnia Hydrogen AB von 21,6 auf 60,8 Prozent. Damit werde das Unternehmen Mehrheitsaktionär, und Botnia, Betreiber von Produktionsanlagen und Tankstationen für grünen Wasserstoff in Schweden, „als Tochtergesellschaft konsolidiert“. Die Beteiligung ermögliche es Metacon, „einen klareren Schritt in den Markt für Wasserstoffproduktion zu machen, der sowohl für die Fahrzeugbetankung als auch für andere Anwendungen erforderlich ist, und so unseren Fokus im Transportsektor weiter zu schärfen“, sagt Christer Wikner, CEO und Präsident des Unternehmens. Metacons Stärke liege in der kosteneffizienten Produktion von grünem Wasserstoff. Derzeit herrsche daran in Schweden „ein erheblicher Mangel“, sodass ein großer Anteil ineffizient aus Nachbarländern importiert werden müsse.
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Ein Konsortium aus Rheinmetall, DLR und McPhy haben edelmetallfreie Elektroden für die alkalischen Elektrolyse entwickelt, die im Megawatt-Design in die Pilotfertigung gehen sollen. © McPhy
(Deutschland) Die Rheinmetall AG hat eigenen Angaben zufolge ein Projekt zur Entwicklung einer neuartigen Elektrodentechnologie für die alkalische Elektrolyse abgeschlossen. Die Unternehmenstochter KS Gleitlager GmbH hatte als Konsortialführer in den vergangenen drei Jahren im Rahmen des von der Bundesregierung geförderten Projekts „Edelmetallfreie Elektroden für die nächste Generation der Alkalischen Elektrolyse“ (E2ngel) geforscht. „Durch den Einsatz unserer neuartigen Elektrodentechnologie werden Elektrolyseursysteme in Zukunft leistungsfähiger und zugleich effizienter als heute“, sagt Projektleiter Karsten Lange. Damit sänken die Produktionskosten von grünem Wasserstoff durch reduzierte Investitionen in das Gesamtsystem, einhergehend mit einer Verbesserung des Wirkungsgrades um über zehn Prozent. Konsortialpartner waren das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und McPhy Energy Deutschland. Zahlreiche Entwicklungsvarianten seien durch das DLR-Institut für Technische Thermodynamik getestet und in der letzten Projektphase bei McPhy auf deren Einsatztauglichkeit im Elektrolyseursystem geprüft worden. Für das kommende Jahr sei der Start der Pilotfertigung am Standort in St. Leon-Rot geplant. Die Fertigungslinie ist für Elektrodendimensionen von bis zu zwei Meter ausgelegt und damit für Elektrolyseursysteme im Multi-Megawatt-Design.
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Illustration des künftigen Samskip „Sea Shuttle“-Containerschiffes. © Samskip
(Norwegen) Norwegian Hydrogen A/S soll flüssigen grünen Wasserstoff (LH2) für die beiden derzeit im Bau befindlichen „Sea Shuttle“-Containerschiffe der Logistikgruppe Samskip liefern. Die Sea Shuttles seien die „allerersten wasserstoffbetriebenen Containerschiffe der Welt“ und würden dereinst die Samskip-Route zwischen Rotterdam und Oslo bedienen. Der Bau werde durch die norwegische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Enova unterstützt, der Wasserstoff von Norwegian Hydrogens künftiger Produktionsanlage in Rjukan geliefert. Mit dem Rjukan-Projekt will das Unternehmen eine vollständige Wertschöpfungskette für Produktion, Verteilung und Bunkerung von verflüssigtem Wasserstoff aufbauen. Das Vorhaben hat eine Reihe von Zuschüssen erhalten, unter anderem aus dem EU-Innovationsfonds 2025 (31,5 Millionen Euro), über die EU-Wasserstoffauktion (13,2 Millionen Euro) sowie eine Kombination von Zuschüssen und Krediten von Innovation Norway (8,5 Millionen Euro). Den Strom aus erneuerbaren Energien soll Tinn Energi & Fiber liefern. Man befinde sich in der Endphase der Auswahl von Lieferanten für die Bereitstellung von Komponenten und Dienstleistungen für den Bau der Anlage. Die Wasserstofflieferungen sollen 2028 beginnen.
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(China) Das Unternehmen Mingyang Hydrogen hat eine „Jupiter 1“ genannte Gasturbine mit einer Leistung von 30 Megawatt in Betrieb genommen, die allein mit Wasserstoff betrieben wird. Das Projekt der Tochter der Mingyang Smart Energy Group Ltd. integriere Windkraft, Photovoltaik und ein Wasserstoffproduktionssystem. Die Anlage speichere überschüssigen Strom als Wasserstoff, der für Spitzenzeiten des Elektrizitätsbedarfs wieder in Strom rückgewandelt werde. Im Vergleich zu thermischen Energieerzeugungseinheiten mit gleicher Leistung könne „Jupiter 1″ die CO2-Emissionen um über 200.000 Tonnen pro Jahr senken, zitiert der chinesische Auslandsfernsehsender CGTN den Generaldirektor von Mingyang Hydrogen, Wang Yongzhi. Die Turbine könne demnach 48.000 Kilowattstunden Strom pro Stunde erzeugen, was ausreiche, um den täglichen Bedarf von 5.500 Haushalten zu decken.
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Thekla Walker (2.v.l.), Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, überreichte die Förderurkunde für Elektrolyseure an die Stadtwerke Ulm/Neu Ulm. © SWU
(Deutschland) Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) erhalten vom Land Baden-Württemberg Fördermittel in Höhe von zehn Millionen Euro für den Bau einer Elektrolyseanlage. Mit der Umsetzung erhöhe sich die Elektrolyseleistung in Baden-Württemberg um mehr als das Doppelte. Geplant ist ein Elektrolyseur zur Wasserstofferzeugung aus überschüssigem Ökostrom im Ulmer Norden an der Autobahn A8. Die Inbetriebnahme ist bis Mitte 2029 geplant. Insgesamt würden dafür 29 Millionen Euro investiert. Voraussetzung sei allerdings, dass die geplanten Absatzmengen vorab vertraglich vergeben würden und somit ein wirtschaftlicher Betrieb sichergestellt sei. Im April 2025 hat die SWU bereits vom Land Bayern eine Förderung von fünf Millionen Euro für eine geplante Elektrolyse an der Erdgasübergabestation Steinhäule erhalten.
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Chile bietet mit seinen großen Landflächen, sonnenreichen Wüsten und starkem Wind hervorragende Rahmenbedingungen zur Erzeugung grünen Stroms für den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft. Das Foto zeigt das 40 MW-PV-Kraftwerk „Chañares“ von Enel in der Atacama-Wüste. © Enel S.p.A.
(Chile) Die Niederlande und Chile wollen die Entwicklung einer „robusten Wasserstoffwertschöpfungskette beschleunigen“. Dies umfasse Produktion, Lagerung, Logistik und Anwendung. So arbeiteten einer Studie zufolge Arcadis, Gasunie, North Sea Port, Port Consultants Rotterdam, Impact Hydrogen, Port of Rotterdam, Proton Ventures, Soluforce und VOPAK aktiv „an strategischen Projekten, teilen Best Practices und tragen konkrete Lösungen für die Wasserstoffinfrastruktur der Zukunft bei“. Die Erfahrungen des Hafens von Rotterdam zeige beispielsweise „deutlich, dass groß angelegte Energieumstellungen nicht allein auf isolierten, unternehmensspezifischen Vermögenswerten aufgebaut werden“ könnten. Gemeinsame Pipelines, Terminals, Lager und Hafeninfrastruktur ermöglichten eine schnellere Bereitstellung, niedrigere Kosten, geringere Risiken und eine effizientere Nutzung von Raum und Kapital. Die Analyse liefere „wertvolle Einblicke, wie gemeinsame Infrastruktur die Produktion und den Export von Wasserstoffderivaten unterstützen“ könne. Die Ergebnisse böten Chile konkrete Leitlinien und spiegelten zugleich die Erfahrungen aus Rotterdam und anderen europäischen Häfen wider. Das Land könne demnach mit „seinem enormen Potenzial für erneuerbare Energien“ von der Sonne in der Atacama-Wüste bis zum Wind in Patagonien „einer der wettbewerbsfähigsten Produzenten“ grünen Wasserstoffs weltweit werden. Die Studie „Shared Green Hydrogen Infrastructure in Antofagasta and Magallanes“ gibt es kostenfrei als PDF (Englisch, 41 Seiten) auf der von der Regierung initiierten Website „Netherlandsandyou“.
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Bayern fördert Wasserstoff-Lkw. Die SPD des Landes kritisiert dies als „Irrweg“.© StMW
(Deutschland) Bayern fördert seit 1. Januar 2026 den Erwerb und das Leasing von emissionsfreien oder sauberen neuen Nutzfahrzeugen mit Brennstoffzellen- oder Wasserstoffverbrennerantrieb, sofern die Fahrzeuge in Bayern zugelassen und stationiert sind (wir berichteten). Die bayerische SPD nennt dies nun einen „Irrweg“. Es sei „eine absurde Fehlförderung und damit eine krasse Geldverschwendung“. Die Zukunft gehöre dem Elektromotor. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger klammere sich „wider besseres Wissen an seinen Wasserstoff-Tick“ und verhindere damit, „dass das Geld für sinnvolle Projekte wie die Elektromobilität genutzt“ werde. Bundesweit seien 36 neue Wasserstoff-Lastwagen im ersten Halbjahr 2025 zugelassen worden. Dem stünden Neuzulassungen von 10.561 batterieelektrischen Lkw gegenüber. Die Zuschüsse für den Kauf wasserstoffgetriebener Nutzfahrzeuge sollen 2026 von 350.000 auf 6,5 Millionen Euro erhöht werden und 2027 auf 8,5 Millionen steigen. Für den Bau von Wasserstofftankstellen wolle der Minister künftig jährlich 3,88 Millionen Euro bereitstellen, eine Steigerung von 1,88 Millionen. Aiwanger hatte zuvor betont, mit der Querfinanzierung werde Wasserstoff in der Mobilität „deutlich günstiger und damit wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Kraftstoffen und dem Elektroantrieb“.
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Creos-Zentrale in Luxemburg: Drei Netzbetreiber planen mit „HY4Link“ ein länderübergreifendes Wasserstoffnetz, das jetzt von der EU den Status „Project of Common Interest“ erhalten hat, was den Zugang zu Fördermitteln erleichtert. © Creos Luxembourg S.A.
(Luxemburg) Das grenzüberschreitende Wasserstoffprojekt „HY4Link“ der Netzbetreiber Creos Luxembourg Hydrogen S.A., Fluxys Hydrogen S.A. (Belgien) und Natrans S.A. (Frankreich) hat von der Europäischen Kommission den Status „Project of Common Interest“ (PCI) erhalten. Die Unternehmen wollen einen Wasserstofftransportkorridor etablieren, der Luxemburg, Frankreich, Belgien und Deutschland mit dem European Hydrogen Backbone (EHB) verbindet, einer Initiative von 33 Energieinfrastrukturbetreibern zur Entwicklung eines paneuropäischen Marktes für erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff. Als PCI-Projekt profitiere das Vorhaben vom Zugang zu EU-Finanzierungsinstrumenten, insbesondere der Connecting Europe Facility (CEF), sowie von optimierten Genehmigungsverfahren. Creos betreibt nach einem Beschluss des luxemburgischen Wirtschaftsministeriums mit Wirkung zum 1. Dezember 2025 das künftige nationale Wasserstofftransportnetz im Großherzogtum. Die Creos Deutschland Wasserstoff GmbH und Natran Deutschland SA haben überdies mit dem Stahlhersteller Stahl-Holding-Saar GmbH&Co.KGaA den Bau eines deutsch-französischen Leitungsnetzes Moselle-Saar-Hydrogen-Conversion (mosaHYc) für Wasserstoff zum Stahlwerk Dillingen vereinbart (wir berichteten).
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iStock / © Danil Melekhin




