(Stavanger / Norwegen) – Northern Lights JV DA hat erstmals Kohlendioxid unter der norwegischen Nordsee gespeichert. Das verflüssigte Gas vom Zementwerk Heidelberg Materials in Brevik wurde zu Zwischenspeichern in Øygarden an der Westküste des Landes verschifft, anschließend durch eine Pipeline transportiert und in das 100 Kilometer entfernt gelegene Aurora-Reservoir 2.600 Meter unter dem Meeresboden injiziert. „Unsere Schiffe, Anlagen und Brunnen sind jetzt in Betrieb“, sagt Geschäftsführer Tim Heijn.

Northern Lights transportiert verflüssigtes CO2 von den Abscheidungsstandorten zu einem Onshore-Terminal nach Øygarden, bevor es per Pipeline zur dauerhaften Speicherung in ein Reservoir 2.600 Meter unter dem Meeresboden injiziert wird. © Northern Lights JV DA
Northern Lights ist eigenen Angaben zufolge das weltweit erste Unternehmen, das kommerziell „Carbon Caption and Storage“-Dienstleistungen (CCS) anbietet. Anteilseigner sind die drei Mineralölkonzerne Equinor (Norwegen), Total Energies (Frankreich) und Shell (Großbritannien). Noch im Laufe dieses Jahres werde man weiteres CO2 von Heidelberg Materials und außerdem vom Müllheizkraftwerk Hafslund Celsio in Oslo speichern. Im nächsten Jahr kämen voraussichtlich Transporte aus Dänemark und den Niederlanden hinzu.

Ankunft des CO2-Carriers (links) am Standort Øygarden. Der Onshore-Zwischenspeicher, die stehenden Tanks an Land, hat in der ersten Bauphase eine Kapazität von 1,5 Millionen Tonnen. Der Frachter rechts im Bild liefert weitere Tanks für den späteren Ausbau. © Northern Lights JV DA / Ruben Soltvedt
Das Joint Venture habe bislang Handelsvereinbarungen mit fünf Industriekunden unterzeichnet, neben Heidelberg und Hafslund auch mit dem Düngemittelhersteller Yara in den Niederlanden, dem Energiekonzern Ørsted in Dänemark und sowie dem schwedischen Energieanbieter Stockholm Exergi. Auch Großbritannien scheint interessiert zu sein. So besuchte im Dezember 2024 der britische Premierminister Keir Starmer gemeinsam mit Norwegens Premier Jonas Gahr Støre die gerade fertiggestellten Anlagen in Øygarden. Dabei wurde eine „Green Industrial Partnership“ genannte Vereinbarung zwischen beiden Ländern unterzeichnet. Die Zusammenarbeit werde „mehr grüne Arbeitsplätze hier in Norwegen schaffen und den grünen Wandel vorantreiben“, sagte Støre.

Die Northern Pioneer am Anleger von Øygarden. © Northern Lights JV DA / Ruben Soltvedt
Die erste Bauphase von Northern Lights ist Teil von „Longship“, einem Projekt der norwegischen Regierung zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung. Im Mai hatte Northern Lights vom Energieministerium, der Umweltbehörde Norwegian Environmental Agency (NEA) sowie der Norwegian Ocean Industry Authority (Havtil) alle Genehmigungen für die Einspeicherung erhalten: 37,5 Millionen Tonnen CO2 für einen Zeitraum von 25 Jahren.

Das vom Tanker transportierte CO2 wird in Øygarden gelöscht, zwischengelagert und dann per Pipeline zur Endlagerstätte gebracht. © Northern Lights JV DA / Ruben Soltvedt
Bereits im März dieses Jahres traf Northern Lights die Investitionsentscheidung zur Erweiterung. Die aktuelle Kapazität des Zwischenlagers von 1,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sei von Kunden aus Norwegen und Kontinentaleuropa vollständig ausgebucht, erklärte der Miteigner Total Energies. In der zweiten Phase werde die Kapazität ab 2028 auf mehr als fünf Millionen Tonnen erhöht. Neun weitere Tanks des spanischen Herstellers Ingenieria y Diseno Europeo S.A. (IDESA) sind bereits eingetroffen, jeder 30 Meter hoch und mit einem Volumen von 680 Kubikmetern.

Im Juni erhielt Northern Lights vom norwegischen Energieministerium die Genehmigung für den Ausbau, unter anderem mit weiteren Tanks und einem zweiten Anlager: Insgesamt sollen einst fünf Millionen Tonnen CO2 in Øygarden zwischengespeichert werden. © Northern Lights JV DA
Die Erweiterung nutze die bestehende Infrastruktur und umfasse neben den Onshore-Tanks zusätzliche Pumpen, einen neuen Steg, Injektionsbohrungen und weitere CO2-Transportschiffe. Der Ausbau werde mit 131 Millionen Euro aus dem „Connecting Europe für Energie“-Programm der EU gefördert. Die Gesamtkosten liegen laut Northern Lights bei 7,5 Milliarden Kronen (0,6 Milliarden Euro).

Das CO2 wird per Pipeline von Øygarden zum Aurora-Reservoir transportiert. Das umrandete Gebiet „EL001“ zeigt die für die Speicherung genehmigte Fläche in der Nordsee. Nördlich davon befinden sich die 700 Quadratkilometer großen „Troll“ genannten Öl- und Gasfelder, die von Equinor Energy AS betrieben werden. © Northern Lights JV DA
Die 130 Meter lange „Northern Pioneer“ hat ein Fassungsvermögen von 8.000 Tonnen flüssigem CO2. Das ebenfalls 130 Meter lange Schwesterschiff „Northern Pathfinder“ mit einer Kapazität von 7.500 Tonnen wurde im Dezember von der chinesischen Werft Dalian Shipbuilding Industry Co. (DSIC) ausgeliefert und vor rund acht Wochen von der norwegischen Bildungsministerin Kari Nessa Nordtun, die am Konzernsitz Stavanger zu Hause ist, getauft. Bei der Zeremonie waren auch der norwegische Kronprinz sowie der Energieminister zugegen. Beide Schiffe fahren unter norwegischer Flagge, das Management obliegt Kawasaki Kisen Kaisha, Ltd. (K-Line). Dereinst soll die Flotte fünf CO2-Tanker umfassen.
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CO2-Tanker „Northern Pioneer“ auf See. Eigentümer ist das Joint Venture Northern Lights, zu gleichen Teilen im Besitz von Total Energies, Equinor und Shell. © Northern Lights JV DA / Ruben Soltvedt